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Gran Canaria


Surf-City -- Willkommen in der Surf-Haupstadt Europas © Thomas Borstner

 Es gibt wohl kaum eine andere Stadt in Europa, in der das Wellenreiten und Bodyboarden eine derartige Popularität genießt.
 Surfen ist in Las Palmas Satellitenbild von Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias, Volkssport. Die Zahl der Aktiven geht in die Tausende. Doch wider Erwarten und auf Grund der zahllosen Surfspots kommt es trotzdem kaum zu Dränglereien und Problemen mit dem Locals. Bereits im im Grundschulalter treffen sich die Jüngsten am Canteras-Strand und üben sich den ganzen Nachmittag am Body-Board. Die Beliebtheit dieser Sportart kennt keine Grenzen und so wundert es nicht, daß schon so mancher "Star" seine Karriere hier begonnen hat.



© 2007 rubenshito
Vor der Welle © 2007 rubenshito

 Das alles ist kein Zufall, denn Las Palmas ist das ganze Jahr über ein wahres Surfer- und Bodyboarder Paradies. Surfer, die sich aus dem kalten, wellenlosen und verschneiten mitteleuropäischen Winter in wärmere Gefilde flüchten wollen, sind in Las Palmas genau richtig. Auf sie wartet im Winter eine durchschnittliche Wassertemperatur von 19 - 21 Grad, im Sommer werden Werte von 23 - 25 Grad erreicht.

 Von Oktober bis März sind die Wellen in der Regel am Besten, Häufigsten und Größten, aber auch in den Sommermonaten gibt es ständig Wellen und vor allem Anfänger finden während dieser Zeit ideale Bedingungen zum (fast) risikofreien Erlernen dieser faszinierenden Sportart vor.
 Auch die Vielzahl an Spots direkt im Stadtgebiet macht dieses Revier besonders attraktiv. Die meisten Breaks lassen sich zu Fuß oder mit städtischen Bussen erreichen - ein (Miet-)Auto fehlt höchstens, wenn man auch die zahlreichen Spots an der Nordküste aufsuchen will. Zahlreiche Surfshops beleben den Wettbewerb und so ist Las Palmas auch sicher der richtige Ort, um seine Ausrüstung zu komplettieren. Ein riesiger Markt an Second-Hand Material höchster Qualität drückt den Preis und bietet alles von Surfbrett, über Bodyboard bis hin zu Unterwasserkameras und alte VW-Busse. In dieser Beziehung ist die wohl wichtigste kanarische Surf-Homepage www.lpsurf.com ein wahrer Geheimtip. Im lebendigen Forum gibt es andauernd irgendwelche Schnäppchen zu schlagen. Vorraussetzung natürlich das man ein paar Brocken Surfer-Spanisch spricht.



Die Surfspots von Las Palmas


 Alleine im Stadtgebiet befinden sich 9 offizielle Surf- und Bodyboardspots, von denen wir euch hiermit ein paar vorstellen wollen. In Las Palmas gibts wirklich vom Weißwasserrutscher bis zum Tube-Bezwinger Surfspots aller Schwierigkeitsstufen.

La Cicer - das feucht-fröhliche Herz der kanarischen Surfszene  © Thomas Borstner

© 2007 rubenshito
Der Strand von Cicer, © 2007 rubenshito

 Die ersten Surfschritte machen Einheimische wie Besucher auf der Cicer - einer der vielen Surfspots am 3km langen und als einem der schönsten Stadtstrände der Welt bekannten Playa de las Canteras. Rund um diesen feinen und ganzjährig funktionierendnen Beach-Break schlägt das Herz der kanarischen Surfszene. Wer hier ohne Surfbrett oder Bodyboard unterm Arm daherkommt, fällt auf wie ein Österreicher, der Fußball spielen kann (Ironie schadet nie). Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes Surf geatmet, denn an vielen Tagen des Jahres ist durch die pausenlos explodierenden Wellen dieser Bereich des Strandes in einen salzigen Wasserstaub getaucht, was dem Cicer einen mystischen und surfigen Charakter verleiht. Wer hier nicht surft, der schaut entweder anderen beim Surfen zu, wachst gerade sein Brett für die nächste Surfsession oder stärkt sich NACH dem Surf in einem der zahllosen Lokale, Restaurants und Imbissbuden direkt am Strand. Die Strandpromenade Paseo de las Canteras verläuft in rund 20 Metern Höhe über dem Cicer und ermöglicht so tolle Blicke auf den Surfwahnsinn, der sich unten im Wasser abspielt.
 Obwohl es hier am Nachmittag schon mal eng werden kann, kommt es eigentlich so gut wie nie zu Problemen mit den Locals.
 Die Cicer schläft nie, denn am Plaza de la Musica, der gleich hinter dem Opernhaus Auditorio Kraus liegt, befinden sich zahlreiche Lokale mit Surfambiente. Hier wird bis 6h morgens so nahe an den Wellen gefeiert, dass man, wenn man sich unterhalten will, fast schreien muss, um das Rauschen der Wellen zu übertönen (leichte Überzeichnung).
 Am Cicer befindet sich mit der Surfagentur OCEAN SIDE die größte Surfschule der Insel, welche ebenfalls ein direkt am Strand befindliches Surfcamp beheimatet. Ein Woche Surfcamp inklusive Mittagessen, TV, DVD, Internet, Surfmaterial und 20h Surfunterricht gibts hier ab 395 Euro. Mehr Information findet ihr auf deren auch in Deutsch online stehenden Homepage www.ocean-side.eu.



El Lloret - die Wellenmaschine am Opernhaus  © Thomas Borstner

 Hat man am Cicer an Sicherheit gewonnen, kann man weiterjumpen zu den nächsten Schwierigkeitsstufen namens Lloret und La Puntilla. Beide ebenfalls am Las Canteras und mitten in der Stadt gelegen. Hier brechen die Wellen allerdings über Steinen oder Lavariffen. Also sollte man schon wissen was man tut und sein Brett und sich selbst im Griff haben. Vor allem das Lloret ist einer der besten Surfspots der Insel. Der Atlantik produziert hier qualitativ hochwertige Wellen wie am Fließband. In Abständen von 5 Minuten bäumen sich hier Wellen von bis zu 4 Metern Höhe auf. Direkt am Spot befindet sich Steinstufen, von der aus dutzende Schaulustige die "Wahnsinnigen dort draußen" beobachten.
 Vom Wasser aus blickt man direkt auf das Opernhaus Auditorio Kraus, dessen Fassade einem in der Brandung stehenden Felsen nachempfunden ist. Auf der Außenfassade des Opernhauses tummeln sich zahllose Skulpturen, die diverse Meeresbewohner wie Tintenfische, Moränen und Thunfische nachbilden sollen.
 Wohl nirgendwo anders in Las Palmas leben Sport und Kultur in solcher, sich gegenseitig befruchtender, Harmonie nebeneinander.
 Die Puntilla liegt am entgegengesetzten Ende des Canteras - in Richtung der Isleta und dem Strand El Confital. Bei Flut läuft hier eine kleine, aber feine Welle. Der Einstieg erfolgt direkt vom hier liegenden Spitzen-Fischrestaurant aus. Also verlorene Kalorien können direkt am Spot wieder aufgefuttert werden.



El Confital - das kanarische Surfheiligtum inmitten karger, meditativer Landschaft  © Thomas Borstner

 Unter Insidern ist der Confital weltweit bekannt, denn er gilt als eine der besten Rechts-Wellen ganz Europas. Jeder, der selbst einmal dort war, weiß warum. Inmitten einer an Fuerteventura und Lanzarote erinnernden Steinwüste, nur 15 Fußminuten außerhalb der Stadt brechen hier Respekt einflößende Rechts-Tubes nur rund 1 Meter über einem Lavariff. Es ist schwer zu sagen ob das Geräusch Tatüüü-Tataaa (wer nicht kapiert: Tatü-Tata = Rettung) hier häufiger ist als das Kreischen der Möwen (leichte Übertreibung) - aber ohne Witz: hier sollte man wirklich gut surfen können.
 "Vertraue nie dem Confital", sagen die Einheimischen - und sie werden schon wissen warum. Nach dem Surfen kann man hier durch die fast meditative Steinwüstenlandschaft um den Spot spazieren, nur die Rauschen der Wellen, das Pfeifen des Windes und ab und zu ein Möwen-Kreischer im Ohr. Wer entlang der schroffen, aus Lavagestein bestehenden Küste spaziert, wird zahlreiche seltsame Vogelarten und an den Klippen hängende Krebse entdecken. Wer immer noch Energie übrig hat, auf den wartet mit dem Aussichtspunkt oberhalb des Confital ein weiteres Highlight. Von hier aus kann man einen traumhaften Blick über den gesamten Strand Las Canteras, die mit Satelittenschüsseln "verzierten" Häuserdächer von Las Palmas, einen der größten Hafen des Atlantiks und den auf der Nachbarinsel Teneriffe liegenden höchsten Berg Spaniens, den Teide, werfen.



San Cristobal - Surfen am Wehrturm im Fischerviertel  © Thomas Borstner

 Bleibt noch das Bodyboarder Paradies im Süden der Stadt. San Cristobal ist ein ehemaliges Fischerdorf, das, obwohl es vom Wachstum der Stadt geschluckt wurde, seine ganz eigene und fast dörfliche Stimmung erhalten hat. Der mitten zwischen den Surfspots stehende uralte Steinturm verleiht den Spots hier ein ganz besonderes Flair. Nach dem Surf kann man hier in zahlreichen Fischrestaurants hervorragend speisen. Vor allem Bodyboarder finden hier oft idealste Bedingungen vor.



Playa de la Laja oder ein ungewollter Trip nach Mauritanien  © Thomas Borstner

 Dieser am südlichen Stadtrand liegende, mit schwarzem Sand bestückte Strand ist ebenfalls ein Revier, in dem braungebrannte Surfer und Bodyboarder ihr Unwesen treiben.
 Einziger Nachteil dieser Sandarena: die Autobahn Richtung Süden grenzt direkt an den Strand und so kann das Rauschen der Wellen schon einmal vom dröhnen des ununterbrochen vorbeiströmenden Verkehrs übertönt werden.
 Cuidado! Achtung! Starke Strömungen sind hier noch immer Gang und Gebe obwohl die Regierung versuchte diese mit einem Damm zu minimieren. Mit wenig Erfolg. Also nicht zu weit raus paddeln und immer einen Orientierungspunkt an Land im Auge behalten, ansonsten kann man schon mal einen unfreiwilligen Trip nach Mauritanien oder die Westsahara antreten.
 Am geringsten ist die Strömung am nördlichen Ende des Strandes (Richtung Stadtzentrum), in der Nähe der Felsen, welche hier die Strömung eindämmen.
 Dieser Strand liegt einige Kilometer abseits des Zentrums, in Richtung Süden. Aber kein Problem, denn vom Busbahnhof San Telmo aus fährt die Buslinie 01 alle 20 Minuten zum Laja-Strand.



 In Sachen Surfen und Gran Canaria ist Las Palmas sicherlich das soziale Herzstück der Wellenreit-Szene, doch da gibt es noch viel mehr. Alleine im Norden der Insel reihen sich auf wenigen Kilometern dutzende Surfspots aneinander. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, die euch der Surfari-Teil der Homepage www.ocean-side.eu erzählt. Viel Spass beim Zuhören und Zuschauen und vielleicht späterem mitmachen beziehungsweise mitsurfen.



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Text: Thomas Borstner
Fotos: Thomas Borstner (6), rubenshito from www.sxc.hu (2)



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